25. August 20111 Kommentare

Schreiben wie gedruckt

Zeig mir, wie du schreibst und ich sag dir, wer du bist. Ob klein und krakelig oder rund und ausladend: Schon die alten Römer wussten, dass die Handschrift einiges über einen Menschen verrät. Eigenarten in der Schrift geben Auskunft über die menschlichen Macken. Aber was passiert, wenn plötzlich alle gleich schreiben – quasi wie gedruckt?

Unter Lehrern, Eltern, und Pädagogen ist eine nicht ganz neue, aber erbitterte Diskussion entbrannt: Brauchen Schulkinder im digitalen Zeitalter überhaupt noch eine Schreibschrift? Erste Beschlüsse gibt es schon: In Hamburg beispielsweise soll die Schreibschrift nicht mehr verpflichtend gelehrt werden, sondern die sogenannte Grundschrift in Druckbuchstaben. Argumentiert wird damit, dass Bücher und alle digitalen Texte ebenfalls in Druckschrift geschrieben sind. Die Verfechter der Schreibschrift verweisen wiederum auf den lockeren, zeitsparenden Schreibfluss und die Vorteile für die Motorik. Und manch einer pocht auf die Bedeutung der Schönschrift als Kulturgut.

Wie man es auch dreht und wendet – die Vielfalt an Meinungen ist in jedem Fall enorm. Fest steht aber, dass die Grundschulen nicht der richtige Ort für Experimente und kurzfristige Entscheidungen sein dürfen. Das können sich die Entscheider getrost hinter die Ohren schreiben – in Schreib- oder in Druckschrift, ganz nach Geschmack.




1 Kommentar zu diesem Beitrag

    Laut Haarmann sind Schrift und insbesondere Handschrift Teil der Identität. Welche Beziehung ich zum eigenen Schriftgebrauch entwickle, ist Teil meiner Individualität. Wenn Schönschrift nicht mehr unterrichtet wird, verwehrt man dem Individuum den Zugang zur Identitätsfindung.

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